Wo kann ich gebrauchte Solarmodule kaufen? Die Quellen im Vergleich

Gebrauch­te Solar­mo­du­le sind im gewerb­li­chen Umfeld längst ein eigener Markt. Durch Repowe­ring großer Frei­flä­chen­an­la­gen kommen regel­mä­ßig fünf­stel­li­ge Modul­men­gen zurück, die technisch noch ein­wand­frei funk­tio­nie­ren. Gleich­zei­tig suchen Betreiber älterer Anlagen hän­de­rin­gend nach einzelnen Ersatz­mo­du­len, die neu nicht mehr erhält­lich sind.

Beides ist der gleiche Markt, aber nicht derselbe Einkauf. Deshalb zuerst die Frage, die alles andere bestimmt.

1. Welcher Anlass, welcher Bezugsweg

Ihr AnlassWas Sie brauchenWo Sie fündig werden
Ersatz­mo­du­le für eine BestandsanlageWenige Stück, exakt derselbe Typ oder elek­trisch passendSpe­zia­li­sier­te PV-Markt­plät­ze, Ankäufer mit sor­tier­tem Lager, Betrei­ber­fo­ren, Direktkontakte
Neue Fläche mit begrenz­tem BudgetGroße Menge ein­heit­li­cher Module, Preis pro Watt entscheidendRückbau- und Repowe­ring­un­ter­neh­men, Indus­trie­markt­plät­ze mit kom­plet­ten Anlagen, Auktionen
Handel oder ExportGanze Lose, planbare Logistik, DokumentationRück­bau­pro­jek­te, Insolvenz- und Ver­wer­tungs­fäl­le, Groß­händ­ler mit Restposten
Test­auf­bau, Notstrom, NebenanlageWenige Module, Zustand zweitrangigDirekt­ver­käu­fe von Betrei­bern, Rest­pos­ten, Markt­plät­ze, regionale Anbieter

Die häufigste Fehl­an­nah­me: Wer drei defekte Module in einer Anlage von 2012 ersetzen will, sucht kein Schnäpp­chen, sondern einen bestimm­ten Modultyp. Elek­tri­sche Passung ist hier wichtiger als der Preis, weil ein abwei­chen­des Modul im Strang die Leistung der gesamten Strang­ket­te beein­flus­sen kann.

2. Die Bezugsquellen im Einzelnen

Spe­zia­li­sier­te Pho­to­vol­ta­ik­markt­plät­ze. Der nahe­lie­gen­de Weg für einzelne Module, Wech­sel­rich­ter und Ersatz­tei­le. Vorteil ist die Sor­ten­viel­falt und die Chance, einen bestimm­ten Typ zu finden. Nachteil sind höhere Stück­prei­se und stark schwan­ken­de Verfügbarkeit.

Rückbau und Repowe­ring­un­ter­neh­men. Sie bauen ganze Anlagen zurück, prüfen die Module und verkaufen sie sortiert weiter. Der beste Weg für große, ein­heit­li­che Mengen. Prüfen Sie hier besonders genau, nach welchen Kriterien sortiert wurde und wie hoch der Aus­schuss­an­teil war.

Industrie- und Maschi­nen­markt­plät­ze. Hier landen ganze Anlagen, Pro­jekt­auf­lö­sun­gen, Insol­ven­z­wa­re und nicht rea­li­sier­te Projekte, häufig als kom­plet­tes Los inklusive Wech­sel­rich­ter und Unter­kon­struk­ti­on. Auf Maschinensucher.de finden Sie diese Angebote zum Beispiel in der Kategorie Pho­to­vol­ta­ik. Solche Angebote lohnen sich, wenn Sie mit großen Stück­zah­len und Abholung ab Standort umgehen können.

Tipp
Das Angebot in diesem Segment schwankt stark, weil es an Rück­bau­pro­jek­te gebunden ist. Wer nicht sofort fündig wird, sollte eine Such­be­nach­rich­ti­gung ein­rich­ten statt einmalig zu suchen.

Groß­händ­ler mit Rest­pos­ten und Retouren. Soge­nann­te B‑Ware, Rück­läu­fer aus Widerruf, geöffnete Ver­pa­ckun­gen und Lage­r­ab­ver­käu­fe. Technisch oft neuwertig, aber selten wirklich gebraucht. Für Betreiber, denen Optik egal ist, häufig bei kleinen Stück­zah­len ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Insolvenz und Ver­wer­tung. Insol­venz­ver­wal­ter, Banken und Lea­sing­ge­ber verwerten regel­mä­ßig ganze Anlagen und Lager­be­stän­de. Der Preis ist attraktiv, die Zeit­fens­ter sind eng und Gewähr­leis­tung gibt es in aller Regel nicht.

Industrie­auktionen. Sinnvoll bei Betriebs­auf­lö­sun­gen und größeren Rück­bau­pro­jek­ten. Sie bekommen einen festen Termin und Plan­bar­keit, ver­zich­ten aber auf Nachverhandlung.

Direkt vom Anla­gen­be­trei­ber. Land­wirt­schaft­li­che Betriebe, Gewer­be­im­mo­bi­li­en und Kommunen verkaufen beim Repowe­ring gele­gent­lich selbst. Der Preis ist gut, die Prüfung liegt voll­stän­dig bei Ihnen.

3. Woher die Module stammen und was das bedeutet

Fragen Sie immer nach der Herkunft. Sie ist der beste ver­füg­ba­re Indikator für den Zustand.

HerkunftTypischer ZustandWorauf Sie achten sollten
Repowe­ring einer FreiflächenanlageMeist um zehn Jahre alt, funk­ti­ons­fä­hig, ein­heit­li­cher TypPrüf­pro­to­kol­le, Sor­tier­kri­te­ri­en, Aus­schuss­an­teil, Degradation
Rückbau nach Sturm oder HagelUnein­heit­lich, teils mit MikrorissenElek­tro­lu­mi­nes­zenz­prü­fung ist hier Pflicht, nicht optional
Ver­si­che­rungs­wa­reSehr unein­heit­lichScha­dens­art klären, sichtbare und unsicht­ba­re Schäden trennen
Nicht rea­li­sier­tes ProjektNeu, ori­gi­nal­ver­packt, aktuelle LeistungsklasseLager­dau­er und ‑bedin­gun­gen, Garan­tie­sta­tus beim Hersteller
Rest­pos­ten, Retouren, geöffnete WareTechnisch neuwertig, optische SpurenVoll­stän­dig­keit der Palette, abwei­chen­de Garantiebedingungen
Privates HausdachÄlter, geringere Leistung, meist ungeprüftFür gewerb­li­che Nutzung selten geeignet, Prüf­auf­wand lohnt kaum

Ein Punkt, der in der Praxis oft übersehen wird: Module aus demselben Rück­bau­pro­jekt sind nicht auto­ma­tisch gleich. Innerhalb einer Anlage gibt es Posi­tio­nen mit stärkerer Ver­schat­tung, höherer Tem­pe­ra­tur­be­las­tung oder mehr Schmutz­ein­trag. Eine seriöse Sor­tie­rung berück­sich­tigt das.

4. Diese Nachweise sollten Sie bei gebrauchten Solaranlagen verlangen

Bei gewerb­li­cher Nutzung ist die Prüfung kein Detail, sondern die Grundlage Ihrer Ertragsrechnung.

  • Leis­tungs­mes­sung unter Stan­dard­test­be­din­gun­gen. Gibt die tat­säch­li­che Rest­leis­tung im Ver­hält­nis zur Nenn­leis­tung an. Seriöse Anbieter nennen einen Min­dest­wert je Charge.
  • Elek­tro­lu­mi­nes­zenz­prü­fung. Macht Mikro­ris­se und inaktive Zell­be­rei­che sichtbar, die optisch nicht erkennbar sind. Für Ware aus Sturm- oder Hagel­schä­den unverzichtbar.
  • Iso­la­ti­ons­mes­sung. Sicher­heits­re­le­vant, besonders bei Modulen mit beschä­dig­ter Rück­sei­ten­fo­lie oder geal­ter­ten Anschlussdosen.
  • Sicht­prü­fung, doku­men­tiert. Del­a­mi­na­ti­on, Korrosion an den Zell­ver­bin­dern, Ver­fär­bun­gen, Zustand von Rahmen, Anschluss­do­se und Steckern.
  • Chargen- und Seri­en­num­mern. Ermög­li­chen die Zuordnung zu Her­stel­ler, Baujahr und Prüfprotokoll.
  • Daten­blatt und ursprüng­li­che Zer­ti­fi­zie­rung. Für die Auslegung von Strängen und Wech­sel­rich­ter zwingend erforderlich.

Fragen Sie zusätz­lich nach dem Aus­schuss­an­teil des Projekts. Wenn ein Anbieter aus 25.000 rück­ge­bau­ten Modulen nur wenige aus­sor­tiert hat, ist entweder die Anlage außer­ge­wöhn­lich gut gewesen oder die Prüfung war oberflächlich.

Bei größeren Mengen ist eine Stich­pro­ben­prü­fung durch ein unab­hän­gi­ges Labor üblich – und ihr Geld wert.

5. Rechtliche Punkte, die im gewerblichen Einkauf zählen

Produkt oder Abfall. Zurück­ge­bau­te Module können rechtlich als Abfall ein­ge­stuft sein. Für die Wei­ter­ga­be zur Wie­der­ver­wen­dung ist ent­schei­dend, ob die Abfall­ei­gen­schaft entfallen ist. Das beein­flusst, wer welche Nachweise führen muss.

Pflichten nach dem Elek­tro­ge­setz. Wer Module in Verkehr bringt, hat Regis­trie­rungs- und Mel­de­pflich­ten. Beim Import aus dem Ausland können diese Pflichten auf Sie übergehen.

Gewähr­leis­tung und Her­stel­ler­ga­ran­tie. Gewähr­leis­tung wird im gewerb­li­chen Gebraucht­han­del regel­mä­ßig aus­ge­schlos­sen. Her­stel­ler­ga­ran­tien sind meist an den Erst­erwer­ber gebunden und gehen beim Wei­ter­ver­kauf oft nicht über. Klären Sie das, bevor Sie mit Garan­tie­wer­ten kalkulieren.

Umsatz­steu­er. Für die Lieferung von Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­len gilt unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ein Null­steu­er­satz. Ob er in Ihrem Fall greift, hängt unter anderem vom Gebäude und der Nutzung ab und muss im Ein­zel­fall geprüft werden.

Ver­si­che­rung und Finan­zie­rung. Ver­si­che­rer und finan­zie­ren­de Banken verlangen bei gebrauch­ten Modulen häufig zusätz­li­che Nachweise oder schließen sie aus. Klären Sie das vor dem Kauf, nicht danach.

Anmeldung beim Netz­be­trei­ber. Für die Inbe­trieb­nah­me gelten dieselben Anfor­de­run­gen wie bei neuen Modulen. Fehlende Unter­la­gen können hier zum Problem werden.

Achtung
Klären Sie recht­li­che und finan­zie­rungs­sei­ti­ge Anfor­de­run­gen immer vor dem Kauf – nicht danach. Nach­träg­li­che Klärung kostet Zeit und im Zweifel den Deal.

6. Preis und Nebenkosten realistisch rechnen

Der Modul­preis wird im Gebraucht­markt meist pro Watt Peak angegeben. Das macht Angebote ver­gleich­bar, verdeckt aber die Nebenkosten.

Rechnen Sie mit:

  • Palet­tie­rung, Verladung und Transport, oft ab Standort
  • Prüfung und Stich­pro­ben, bei größeren Mengen
  • Höherer Mon­ta­ge­auf­wand bei unein­heit­li­chen Modulen
  • Mehr Fläche und mehr Unter­kon­struk­ti­on je Kilowatt, weil ältere Module weniger Leistung je Qua­drat­me­ter liefern
  • Wech­sel­rich­ter, der zur Stran­gaus­le­gung der Altmodule passt
  • Ersatz­be­schaf­fung für Ausfälle in den Folgejahren

Der letzte Punkt ist der wich­tigs­te: Kaufen Sie von Anfang an einen Reser­ve­be­stand mit. Denselben Modultyp in drei Jahren noch einmal zu finden, ist deutlich schwie­ri­ger und teurer als heute ein paar Module zusätz­lich einzulagern.

7. Wann gebrauchte Module die falsche Wahl sind

  • Die Fläche ist knapp und der Ertrag je Qua­drat­me­ter entscheidet
  • Die Anlage wird über eine Bank finan­ziert, die Nachweise für Neuware verlangt
  • Sie brauchen eine Leis­tungs­ga­ran­tie über die geplante Laufzeit
  • Die Module sind unein­heit­lich und der Mon­ta­ge­auf­wand frisst die Ersparnis
  • Es handelt sich um eine Auf­dach­an­la­ge mit hohen Anfor­de­run­gen an Brand­schutz und Dokumentation

Bei aktuellen Preisen für neue Module ist die Rechnung nicht mehr auto­ma­tisch zugunsten gebrauch­ter Ware ent­schie­den. Rechnen Sie beide Varianten durch, bevor Sie sich festlegen.