Gebrauchte oder neue Maschine kaufen?

In vielen Betrieben ent­schei­det der Ange­bots­preis, ob eine Maschine neu oder gebraucht ange­schafft wird. Das führt schnell zur falschen Antwort, denn beide Varianten haben unter­schied­li­che Kos­ten­pro­fi­le. Die Neu­ma­schi­ne kostet in der Anschaf­fung viel und im Betrieb der ersten Jahre wenig. Bei der Gebraucht­maschine ist es umgekehrt.

1. Vier Faktoren entscheiden die Frage

Ver­füg­bar­keit. Zwischen Bestel­lung und Lieferung einer Neu­ma­schi­ne liegen bei vielen Maschi­nen­ty­pen mehrere Monate. Müssen Sie einen Auftrag bedienen oder eine aus­ge­fal­le­ne Maschine ersetzen, wiegt das schwerer als alles andere. Eine gebrauch­te Maschine, die in drei Wochen läuft, kann wirt­schaft­lich weit überlegen sein, selbst wenn sie technisch schwächer ist.

Wert­ver­lust. Neu­ma­schi­nen verlieren in den ersten Nut­zungs­jah­ren einen erheb­li­chen Teil ihres Markt­werts, auch bei ein­wand­frei­em Zustand. Bei gebrauch­ten Maschinen verläuft die Kurve deutlich flacher. Wer gut gewartete Gebraucht­tech­nik nach einigen Jahren wieder verkauft, bekommt häufig einen großen Teil des Kauf­prei­ses zurück.

Pro­zess­an­for­de­rung. Tole­ran­zen, Wie­der­hol­ge­nau­ig­keit, Aus­brin­gung, Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten, Ener­gie­ver­brauch. Wo diese Punkte über Auftrag oder Zer­ti­fi­zie­rung ent­schei­den, zählt die Technik und nicht der Preis.

Instand­hal­tung. Eine ältere Maschine braucht mehr Auf­merk­sam­keit. Die Frage ist, ob Sie diese Kapazität im Haus haben. Mit eigener Instand­hal­tung fahren Betriebe oft aus­ge­zeich­net mit Gebraucht­tech­nik. Ohne kaufen sie sich ein Problem ein.

2. So rechnen Sie den Vergleich sauber

Stellen Sie beide Varianten über dieselbe geplante Nut­zungs­dau­er gegenüber. Der Kaufpreis ist dabei nur ein Posten von vielen.

PositionNeu­ma­schi­neGebraucht­maschine
Anschaf­fungs­preishochniedriger
Lie­fer­zeit und ent­gan­ge­ner Nutzenoft erheblichmeist gering
Transport, Auf­stel­lung, Inbetriebnahmehäufig im Angebot enthaltenseparat zu kalkulieren
Sofortige Instand­set­zungkeinemöglich, vorher prüfen
Wartung und Ver­schleiß im Betriebniedriger in den ersten Jahrenhöher
Aus­fall­ri­si­ko und Stillstandskostenniedrigerhöher, abhängig von Zustand
Ener­gie­ver­brauchmeist günstigerje nach Baujahr höher
Schulung und Einarbeitungbei neuer Steuerung höherbei bekannter Technik gering
Garantie und GewährleistungHer­stel­ler­ga­ran­tie häufig vorhanden; gesetz­li­che Män­gel­rech­te abhängig vom VertragGarantie seltener; gesetz­li­che Män­gel­rech­te können ins­be­son­de­re im B2B-Geschäft ver­trag­lich ein­ge­schränkt sein
Wie­der­ver­kaufs­wert am Endestark gefallenoft nahe am Kaufpreis

In den meisten Rech­nun­gen fehlt der Wie­der­ver­kaufs­wert, und er ver­schiebt das Ergebnis am stärksten. Rechnen Sie deshalb nicht mit dem Kaufpreis, sondern mit dem Kapi­tal­ein­satz über die Nut­zungs­dau­er: Kaufpreis abzüglich rea­lis­ti­schem Wie­der­ver­kaufs­wert, geteilt durch die Jahre, plus laufende Kosten.

Rechen­bei­spiel
Eine Maschine für 60.000 Euro , die Sie nach fünf Jahren für 45.000 Euro verkaufen, kostet in der Anschaf­fung 3.000 Euro pro Jahr. Eine Neu­ma­schi­ne für 140.000 Euro , die nach fünf Jahren noch 80.000 Euro bringt, kostet 12.000 Euro pro Jahr. Ob sich der Unter­schied lohnt, ent­schei­den Aus­brin­gung, Energie und Ausfallzeiten.

3. Wann gebraucht im Vorteil ist

  • Sofor­ti­ger Bedarf. Ausfall, Auf­trags­spit­ze, kurz­fris­ti­ge Kapazitätserweiterung
  • Begrenzte Pro­jekt­lauf­zeit. Die Maschine läuft für ein Projekt und geht danach wieder in den Verkauf
  • Reserve- und Aus­weich­ma­schi­ne. Sie brauchen Redundanz, keine Höchstleistung
  • Bewährte Technik reicht. Der Prozess stellt keine stei­gen­den Anforderungen
  • Eigene Instand­hal­tung vorhanden. Sie können warten und reparieren
  • Ersatz­be­schaf­fung für eine Bestands­an­la­ge. Sie brauchen exakt denselben Typ, den es neu nicht mehr gibt
  • Kapi­tal­bin­dung soll niedrig bleiben. Weniger gebun­de­nes Kapital bei gleicher Kapazität
  • Zweit­stand­ort oder Aus­lands­pro­jekt. Gerin­ge­res Risiko bei unklarer Auslastung

4. Wann neu eine bessere Wahl ist

  • Tole­ran­zen und Pro­zess­si­cher­heit bestimmen den Auftrag
  • Die Maschine ist der Engpass. Ein Ausfall stoppt die gesamte Fertigung
  • Ener­gie­ver­brauch ist bei hoher Laufzeit ein rele­van­ter Kostenblock
  • Garantie wird gebraucht, etwa für Kun­den­auf­trä­ge oder Zertifizierungen
  • Die Finan­zie­rung verlangt Neuware. Banken und Lea­sing­ge­ber setzen bei Gebraucht­tech­nik häufig engere Bedingungen
  • För­der­mit­tel sind an eine Neu­an­schaf­fung gebunden. Das gilt für viele Programme, aber nicht für alle
  • Keine eigene Instand­hal­tung und kein Ser­vice­part­ner in der Nähe
  • Der Preis­ab­stand ist gering. Nach allen Neben­kos­ten schmilzt der Vorteil oft zusammen

5. Die Optionen zwischen neu und gebraucht

Drei Wege gehen regel­mä­ßig unter:

Gene­ral­über­hol­te Maschinen. Gebrauch­te Technik, die ein Fach­be­trieb instand gesetzt hat, häufig mit begrenz­ter Gewähr­leis­tung. Der Preis liegt zwischen beiden Varianten, das Zustands­ri­si­ko deutlich niedriger.

Retrofit der eigenen Maschine. Mecha­nisch solide Maschinen mit ver­al­te­ter Steuerung lassen sich moder­ni­sie­ren. Das ist oft günstiger als ein Ersatz, und die Bediener kennen die Maschine schon. Lohnt sich, wenn die Mechanik gut ist und nur die Elek­tro­nik das Problem darstellt.

Miete oder Leasing. Sinnvoll bei unsi­che­rer Aus­las­tung, bei sai­so­na­len Spitzen oder wenn Liqui­di­tät wichtiger ist als Eigentum. Rechnen Sie die Gesamt­kos­ten über die Laufzeit, nicht die Monatsrate.

6. Steuer und Finanzierung

Ein weit ver­brei­te­ter Irrtum lautet, gebrauch­te Maschinen seien steu­er­lich benach­tei­ligt. Für Deutsch­land stimmt das so nicht.

Abschrei­bung. Auch gebrauch­te Wirt­schafts­gü­ter schreiben Sie über ihre Nut­zungs­dau­er ab. Maß­geb­lich sind die tat­säch­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten ein­schließ­lich Neben­kos­ten. Bei gebrauch­ten Maschinen schätzt man die Rest­nut­zungs­dau­er, sie liegt in der Regel unter den Tabel­len­wer­ten für Neu­ma­schi­nen. Das kann von Vorteil sein, weil sich der Aufwand auf weniger Jahre verteilt.

Inves­ti­ti­ons­ab­zugs­be­trag. Er steht kleinen und mittleren Betrieben unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen offen und gilt für beweg­li­che Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens, auch für gebrauchte.

Son­der­ab­schrei­bun­gen und degres­si­ve Abschrei­bung. Ob und in welcher Form Sie sie nutzen können, hängt vom Anschaf­fungs­zeit­punkt und der geltenden Rechts­la­ge ab. Diese Regeln ändern sich häufiger als andere, prüfen Sie sie deshalb für Ihr Investitionsjahr.

Finan­zie­rung. Banken und Lea­sing­ge­ber bewerten Gebraucht­maschinen zurück­hal­ten­der. Häufig verlangen sie ein Wert­gut­ach­ten, einen höheren Eigen­an­teil oder eine kürzere Laufzeit. Klären Sie die Finan­zier­bar­keit, bevor Sie sich auf eine Maschine festlegen.

För­der­mit­tel. Viele Programme setzen eine Neu­an­schaf­fung voraus, andere fördern aus­drück­lich auch Gebraucht­gü­ter oder Moder­ni­sie­rung. Prüfen Sie die Bedin­gun­gen des konkreten Programms, bevor Sie die Variante festlegen.

Rechnen Sie nicht mit dem Kaufpreis, sondern mit dem Kapi­tal­ein­satz über die gesamte Nutzungsdauer.

7. Kurzcheck vor der Entscheidung

Beant­wor­ten Sie diese sieben Fragen, bevor Sie ein Angebot einholen:

  • Wann muss die Maschine produzieren?
  • Wie lange soll sie im Einsatz bleiben?
  • Ist sie für einen Engpass oder eine Ergänzung?
  • Welche Toleranz und Aus­brin­gung sind zwingend?
  • Wie viele Betriebs­stun­den pro Jahr sind für die Maschine geplant?
  • Können wir die Maschine selbst warten und reparieren?
  • Was ist die Maschine am Ende der Nut­zungs­dau­er noch wert?
Faust­re­gel
Brauchen Sie die Maschine kurz­fris­tig und dient sie als Ergänzung, ist gebraucht meist die bessere Wahl. Ist sie der Engpass und gelten enge Tole­ran­zen, spricht viel für neu. Vorteil bei Maschinen­sucher, Sie finden neue und gebrauch­te Maschinen direkt auf einer Webseite.